Kerzenreste müssen nicht im Abfall landen. Aus alten Stumpen, kleinen Teelichtern oder Adventsresten lässt sich ganz einfach etwas Neues zaubern:
Eine selbstgemachte Kerze – gegossen in eine schöne Tasse oder ein Glas, das ein zweites Leben verdient. Dieses DIY braucht kein spezielles Giess-Set, nur ein paar Dinge aus der Küche und etwas Zeit.
Perfekt für alle, die schöne Dinge lieben und Ressourcen sinnvoll nutzen möchten.
Alles, was für dieses DIY nötig ist
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- Wachsreste (Paraffin; Soja- oder Bienenwachs jeweils separat verarbeiten)
- Hitzebeständige Tassen oder Einmachgläser (z.B. Weckgläser* https://amzlink.to/az0qNcnUQD9io )
- Dochte (mit Bodenplättchen* https://amzlink.to/az0sA2uA36n5g oder am Meter* https://amzlink.to/az09lJ0xGW4ZH )
- Leere Konservendosen (eine pro Farbe)
- Kochtopf für ein Wasserbad
- Messer, Schneidebrett, Schere
- Zwei Stifte oder
- Schaschlickspiess (je nach Dochtvariante)
- Falls vorhanden: Wachsthermometer* https://amzlink.to/az07DvMQfzz7K
> Hinweis: Tassen und Einmachgläser eignen sich besonders gut, da sie Hitze problemlos vertragen.
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Wachs richtig vorbereiten
Kerzenreste zuerst in kleine Stücke schneiden und alte Dochte, Aufkleber oder Papierreste entfernen.
- Für schöne Ergebnisse: Farben getrennt verarbeiten:
- Jede Farbe bekommt eine eigene Konservendose. Das ist besonders wichtig, wenn mehrere Farbschichten gegossen werden sollen.
- Farbmischungen bewusst einsetzen: Ähnliche Farbtöne harmonieren gut. Viele verschiedene Farben zusammen ergeben meist einen erdigen Braunton.
- Hinweis:
Bienen- oder Sojawachs unbedingt separat halten – sie verhalten sich beim Schmelzen und Abbrennen anders als Paraffinwachs.
Wachs schonend im Wasserbad schmelzen
- Die Dosen mit den Wachsstücken in einen Kochtopf stellen, der mit etwas Wasser gefüllt ist. Das Wasser sollte: nicht kochen, sondern nur leicht simmern. Sanfte Hitze ist entscheidend: Zu hohe Temperaturen können das Wachs verfärben oder den Duft verändern.
- Das Wachs langsam schmelzen lassen. Je nach Wachssorte (Paraffin, Soja- oder Bienenwachs) kann das unterschiedlich schnell gehen.
- Wenn mehrere Farben geschmolzen werden, lohnt es sich, die Dosen nebeneinander im selben Wasserbad zu platzieren – so behalten alle eine ähnliche Temperatur.
In dieser Zeit können Tassen oder Gläser vorbereitet und die Dochte fixiert werden.
Den Docht perfekt platzieren
Je nach Dochtart gibt es zwei Möglichkeiten:
a) Dochte mit Bodenplättchen (ideal für Anfängerinnen und Anfänger)
- Das Bodenplättchen kurz in flüssiges Wachs tauchen.
- Mittig auf den Gefässboden drücken.
- Zwei Stifte quer über den Rand legen, damit der Docht gerade bleibt.
b) Docht am Meter (etwas anspruchsvoller):
- Dochtstück mindestens 5 cm länger als die Gefässhöhe abschneiden.
- Oben einen kleinen Knoten machen und einen Schaschlickspiess durch den Knoten legen.
- Unteres Ende kurz ins Wachs tauchen und mit den Fingern geradeziehen, bis es in Form bleibt (allenfalls mehrmals wiederholen).
- Docht so zuschneiden, dass er exakt bis zum Boden des Gefässes reicht.
- Spiess über den Rand legen und den Docht zentrieren.
Hinweis: Für dieses DIY pro Gefäss nur einen Docht verwenden – damit die Kerze gleichmässig abbrennt und kein Wachsbrand entstehen kann).



Wachs langsam einfüllen – der schönste Moment
Sobald das Wachs vollständig geschmolzen ist, kommt der wichtigste Schritt: giessen.
Die ideale Giess-Temperatur hängt von der Wachssorte ab:
- Paraffinwachs: optimal bei 60–70 °C giessen. Es lässt sich dann schön einfüllen und kühlt gleichmässig aus.
- Bienenwachs: giessen bei 70–75 °C. Bienenwachs benötigt etwas mehr Hitze, sonst entstehen schnell Vertiefungen oder unsaubere Oberflächen.
- Sojawachs: ideal bei 55–60 °C. Sojawachs reagiert stärker auf Temperatur: Zu heiss = sinkt stark ein / bildet Risse. Zu kalt = wird «körnig»
Jetzt giessen:
- Die Dose vorsichtig aus dem Wasserbad heben.
- Das Wachs langsam und gleichmässig ins Gefäss giessen – so entstehen weniger Luftblasen.
- Etwa 1–2 cm unter dem Rand stoppen.
- Einen kleinen Rest Wachs für spätere Ausbesserungen aufbewahren.
> Ein ruhiger, gleichmässiger Guss sorgt dafür, dass die Kerze später schöner abbrennt und gleichmässiger aushärtet.
Tipp, wenn kein Thermometer vorhanden ist:
Wenn keine genaue Temperaturmessung möglich ist, die Hitze einfach bewusst niedrig halten:
- Herdplatte eher auf kleiner Stufe lassen.
- Wachs langsam schmelzen lassen, statt stark zu erhitzen.
- Sobald alles flüssig ist, das Wachs ein paar Sekunden stehen lassen, bevor es gegossen wird.
> So wird das Wachs meist automatisch in einem guten Temperaturbereich liegen, ohne dass es zu heiss wird oder verbrennt.
Für alle, die’s bunt(er) mögen: Mehrfarbige Kerzen
Mehrfarbige Kerzen wirken vor allem in transparenten Gläsern wunderschön.
So gelingt’s:
- Erste Wachsschicht giessen.
- 5–10 Minuten anziehen lassen.
- Nächste Farbe giessen.
- Zwischen den Farben das Wachs warmhalten (wieder ins Wasserbad stellen).
> Je länger die Schichten antrocknen dürfen, desto sauberer trennen sie sich.
Aushärten lassen – ein Moment zum Durchatmen
Die Kerze soll nun mindestens zwei Stunden bei Zimmertemperatur ruhen.
Es kann durchaus passieren, dass sich in der Mitte eine kleine Mulde bildet. Diese lässt sich später mit dem Restwachs ausbessern:
- Restwachs nochmals erwärmen; etwas heisser als zuvor (damit sich das neue Wachs besser mit der Kerze verbindet).
- In die Vertiefung giessen
- Nochmals abkühlen lassen
- Keine Zugluft – das sorgt für eine glatte Oberfläche.
Der letzte Schliff
Wenn die Kerze vollständig ausgehärtet ist:
- Docht auf ca. 1 cm kürzen
- Oberfläche prüfen
Kleine Unebenheiten ausgleichen:
Ein Föhn auf niedriger Stufe (und mindestens 10 cm Abstand zur Kerze) kann die oberste Wachsschicht leicht anschmelzen. Das eignet sich für feine Korrekturen und matte Stellen, ersetzt aber kein exaktes Giessen. Da dies länger dauert und somit viel Energie benötigt, sollte diese Methode also lieber sparsam eingesetzt werden.







Ein kleines Licht zum Schluss
Am Ende entsteht nicht nur eine Kerze – sondern etwas ganz Persönliches. Ein Gefäss, das vielleicht lange im Schrank stand, fängt wieder an zu leuchten. Wachs, das übrig geblieben ist, bekommt eine neue Aufgabe.
Und aus allem zusammen entsteht etwas Handgemachtes, Schönes und Nachhaltiges.Ob als Geschenk für jemanden, der dir am Herzen liegt, oder als kleiner Lichtpunkt für dich selbst: Selbstgegossene Kerzen haben eine besondere Wärme, die man sieht – und spürt.
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